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Passivwohnanlage

wagnisART München

  • Die Münchner Wohnanlage wagnisART war auch  Preisträger beim Deutschen Städtebaupreis 2016. (Fotos: bogevischs buero architekten & stadtplaner GmbH)

    Die Münchner Wohnanlage wagnisART war auch Preisträger beim Deutschen Städtebaupreis 2016. (Fotos: bogevischs buero architekten & stadtplaner GmbH)

  • Passivwohnanlage

Ein Mega-Wohnbauprojekt in Passivhausbauweise als ökologisch wertvoller Fußabdruck

(CMS) Die große Passiv-Wohnanlage im neu entstandenen Domagkpark in München umfasst fünf Häuser, die durch Wege, Brücken, Höfe und Nischen miteinander verbunden sind und spontane Begegnungen zwischen den Bewohner/innen ermöglichen. Erste nachbarschaftliche Beziehungen, Freundschaften und Gemeinschaftsgefühl entstanden durch Beteiligung an gemeinsamen Aufgaben im Planungsprozess und durch Eigenleistung am Bau, noch bevor die Bewohner in ihr Projekt eingezogen sind. In einer Abstimmung gemeinsam mit den Kindern wurden die Häuser nach den Kontinenten der Erde benannt, was ihrer Anordnung auf dem Gelände entspricht.

Mit dem Projekt wagnisART wollte die Wohnbaugenossenschaft wagnis eG einen Beitrag zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen leisten. Ziel des Projektes ist es, den Ökologischen Fußabdruck beim Bauen und im individuellen sowie gemeinschaftlichen Leben zu verringern und den Technik-Aufwand in Grenzen zu halten. Die Bauweise entspricht ökologischen, nachhaltigen Vorgaben sowie Passivhaus-Standards. Neben dem Anschluss an das Fernwärmenetz wird auf Photovoltaik gesetzt.


Idee und Ergebnis
Für die Entwicklung eines wirklich nachhaltigen Projektes müssen alle Lebenszyklusphasen eines Gebäudes in die Planungen mit einfließen. Das heißt, nicht nur der Energieaufwand für Heizen, Warmwasser und Stromverbrauch, sondern auch der Material- und Energieaufwand für den Bau des Gebäudes müssen optimiert werden. Zusätzlich sollte die Möglichkeiten für eine spätere Wiederverwendung, Verwertung oder Entsorgung überlegt werden. Dafür wurde hier eine ökologische Lebenszyklusanalyse gemacht, in der der Energieaufwand und Treibhausgasausstoß für Erstellung, Nutzung und Entsorgung der Gebäude berechnet wurden. Erste Ergebnisse zeigten, dass die sogenannte „graue Energie”, die im Gebäude verbaut ist, ungefähr der Energie entspricht, die alle Bewohner in 12 Jahren für Heizung und Warmwasser verbrauchen. Zudem zeigt der Forschungsbericht, dass die Wohnanlage im Passivhausstandard über die Lebensdauer von 50 Jahren deutlich weniger Primärenergie benötigt und deutlich weniger Treibhausgase emittiert als Gebäude nach der geltenden Energieeinsparverordnung. Das zeigt zum einen, dass die Energie, die nicht verbraucht wird, einen sehr hohen Stellenwert hat, und zum anderen, dass auch die Energie, die „im Gebäude steckt”, durchaus nicht vernachlässigt werden kann. In der Gesamtbetrachtung über den Lebenszyklus des Gebäudes spricht das klar für den Passivhausstandard. Einen besonders positiven Effekt haben die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und die Erzeugung von Energie am Gebäude.
Das Projekt wird vom Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der TU München wissenschaftlich begleitet und von der obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, im Rahmen des Programms Experimenteller Wohnungsbau unterstützt. Ergebnisse dieses Forschungsprojektes sind sowohl Analysen und vergleichende Aufstellungen für wagnisART als auch Planungshilfen für die ökologische Verbesserung von späteren Projekten.


Ausführung
Die tragende Struktur des Gebäudes wurde als Stahlbeton-Skelettkonstruktion errichtet. Die Geschoßdecken und Treppenhauskerne werden dabei durch Stützen und partiell durch Wandscheiben ergänzt, um bei wirtschaftlichen Spannweiten möglichst wenig massive Bauteile einzusetzen. Die Außenwände sind in Holz-Rahmenkonstruktion mit vorgehängter Fassade (Hybridbausweise) erstellt worden. Die Dachterrassen und Dächer sind zum großen Teil begeh- und benutzbar und damit Teil der umfangreichen gemeinschaftlichen Freiflächen.  Der Entwurf entstand in einer intensiven Partizipation mit den späteren Nutzern, bei der unter anderem die Entwurfsautonomie der planenden Architekten in Frage gestellt wurde. Dass dabei auch gestalterisch ein radikal neuer Stadtbaustein entstanden ist, ist trotzdem kein Zufall. Inhaltlich entstanden neben den gemeinschaftlich genutzten Erdgeschoßzonen eine gemeinschaftliche Dachebene, auf der alle Häuser durch Brückenkonstruktionen miteinander verbunden sind. Gerade diese zweite, halböffentliche Ebene zwischen den Häusern wird zur Mitte der Bewohner.  Die Häuser werden zu einem großen Stadttheater.

Fakten

Zeitraum: 2012-2016, Bauherr: Wohnbaugenossenschaft wagnis eG

Planung: bogevischs buero architekten & stadtplaner GmbH, Schindler/Hable Architekten GbR

Landschaftsarchitekten: Arge bauchplan Auböck/Kárász

Wissenschaftliche Begleitung: Technische Universität München, Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen unter Prof. Dr. Ing. Werner Lang

Passivhauszertifizierung und Beratung: Herz&Lang, Nutzfläche: 10.610 m2 in 5 Häusern

Umfang: 138 Wohnungen, davon 8 Wohn-Cluster mit 53 Apartments, Künstler-Cluster ARTrefugio, Ateliers, Praxisräume, Büros, Speisecafé, Veranstaltungsraum, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Waschcafé, Nähstube, Toberaum, Proberäume, Gäste-Apartments, Gemeinschafts-Dachgärten, Gemeinschaftsterrassen und -brücken, Dorfplatz, Oasenhof