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Die Autobiografie „Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen“ erschien pünktlich zum 70. Geburtstag von Karl Gabl. 

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Einsendeschluss ist am Donnerstag, 30. November 2017. Die Gewinnerin, der Gewinner wird schriftlich verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Glück!

Interview: Karl Gabl über die Klima- und Wetterentwicklung

Karl Gabl, Meteorologe und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit

„Eindeutig, dass es seit 1970 wärmergeworden ist“

(lisi) Er ist der Mann, auf dessen Prognosen Extrembergsteiger hören. Ein weltweit höchst geschätzter Experte in seinem Metier sozusagen – im Interview mit dem PASSIVHAUSmagazin erläutert der Meteorologe und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, Karl Gabl, seine Sichtweise zur Klima- und Wetterentwicklung, die damit verbundenen Veränderungen für den Alpenraum und deren Einfluss auf Naturkatastrophen. Kurz vor seinem 70. Geburtstag ist seine Autobiografie erschienen – auf 240 Seiten finden sich private und berufliche Lebensmemoiren des Wetterexperten, die teils unter die Haut gehen und darüber hinaus auch ein Stück „Heimatgeschichte“ beinhalten…

Pünktlich zu Ihrem 70. Geburtstag haben Sie Ihre Autobiografie veröffentlicht – wer hat Sie dazu motiviert, Ihr Leben Revue passieren zu lassen und wie schwer ist es, solche persönlichen Einblicke zu gewähren?
Karl Gabl:Motiviert hat mich eine Journalistin, die ein Buch über meine Freundin Gerlinde Kaltenbrunner geschrieben hat. Ich würde sagen, ich gewähre in meiner Autobiografie Einblicke, jedoch auch mit einer gewissen Zurückhaltung. Ein Projekt, für das ich beispielsweise gekämpft habe, war die Bahnverlegung in St. Anton am Arlberg. Vor wenigen Wochen habe ich eine E-Mail erhalten, von einem Professor, der damals die Machbarkeitsstudie durchgeführt hat. Er hat gemeint, dass diese „Südvariante“ in seinem Leben eines der sinnvollsten Projekte gewesen sei. Hingegen sehr schwer gefallen sind mir private Einblicke, wie der Tod meiner Frau. Jahre später habe ich dann meine jetzige Frau Stephanie Geiger, übrigens auch bei einem Interview, kennengelernt. Private Passagen habe ich sehr ängstlich und vorsichtig geschrieben, immer aber mit einer gewissen Öffnung. Die Autobiografie beinhaltet jedoch auch viele lustige Geschichten aus meiner Kindheit in St. Anton am Arlberg – also, vieles zum Schmunzeln.

Ihr Beruf schien für Sie immer eine „Berufung“ zu sein – über 40 Jahre lang haben Sie diese als Meteorologe mit großer Leidenschaft ausgeübt. Haben sich in dieser Zeit Prognosen qualitativ verbessert?
Karl Gabl:
Enorm! Als ich 1978 begonnen habe, wurde uns als Meteorologen das Gefühl vermittelt, ausgelacht zu werden. Die Prognosenqualität von damals war eine Katastrophe. Man könnte sagen, dass man mittlerweile dieselbe Qualität bei Prognosen für sechs Tage erreichen kann, wie damals für 24 Stunden. Alleine nur durch diese Entwicklung war es mir möglich, Beratungen und Prognosen über einen längeren Zeitraum für Höhenbergsteiger zu machen.

„Die Jahressumme des Niederschlages zeigt wenig Veränderungen.
Jedoch: Eine warme Natur reagiert heftiger.“

Wie hat sich im Allgemeinen das Klima im vergangenen halben Jahrhundert verändert? Sind Tendenzen spürbar?
Karl Gabl
: Ich halte viele Vorträge zu diesem Thema, sozusagen Standortvorträge, die das Klima Tirols im Zeitraum von 100 Jahren beleuchten. Nun ist es so, dass es seit 1970 (verglichen mit dem Klima zwischen 1931 und 1970) eindeutig, um zwei Grad wärmer geworden ist.

„Der Klimawandel wird als Problem überschätzt“, sagen die einen. „Der Klimawandel stellt eine wahre Herculesaufgabe dar“, die anderen. Besonders in „Meteorologen-Kreisen“ scheiden sich bei dieser Sichtweise die Geister – wo liegt Ihre persönliche Einschätzung?
Karl Gabl:
Nun, ich fürchte mich nicht, wenn es um ein bis zwei Grad wärmer wird, das kann der Mensch verkraften – eigentlich beflügelt es sogar unseren Sommertourismus. Was mich aber wirklich stört, ist der Umgang mit Ressourcen, der letztendlich zum Klimawandel führt. Man könnte sich anstrengen – man müsste einfach reservierter mit Ressourcen umgehen. Wir werden eines Tages als die „größten Verschwender“ in die Geschichte eingehen. Wenn man beispielsweise China betrachtet: Von 2007 bis 2014 wurde der Ausstoß von Treibhausgasen um 47 % gesteigert – und die Weltpolitik schaut zu? Oftmals kümmern sich die Verantwortlichen hingegen um Probleme, die eigentlich irrelevant sind.

Klimawandel bedeutet Veränderung für den Alpenraum. Klimatische Veränderungen traten in der Geschichte der Alpen immer wieder auf. Unklar ist jedoch, in welchem Zeitraum sich solche Veränderungen vollziehen und welche Auswirkungen sie auf Naturkatastrophen haben. In den vergangenen Jahren sind vermehrt Naturereignisse wie Muren aufgetreten – sehen Sie hier einen Zusammenhang mit dem Klimawandel?
Karl Gabl:
Die Jahressumme des Niederschlages zeigt wenig Veränderungen. Jedoch: Eine wärme Natur reagiert heftiger. Jeder Kubikmeter Luft ist quasi um zwei Grad wärmer. Ereignisse wie kurzzeitige, intensivere Niederschläge werden dadurch mehr, was Muren oder Überflutungen begünstigt. Man muss aber auch erwähnen, dass die ganzen Alpen seit der Entstehung dem Erosionsprozess unterlegen sind, viele Dörfer entstanden auf Schwemmkegeln. Erosionen hat es also schon immer gegeben, mittlerweile etwas vermehrt. Dabei sei auch erwähnt, dass sich der Mensch durch die Beengung des Lebensraums in umliegende Regionen gewagt hat. Man muss jedoch relativieren, dass dies bei Lawinenkatastrophen nicht der Fall ist – durch Maßnahmen wie Verbauungen sind deutlich weniger innerörtliche Schäden zu verbuchen.

Sie beherrschen ihr Metier wie kaum ein Anderer. Wann ist in Ihnen eigentlich der Berufswunsch des Meteorologen entfacht und kann dies mit Ihrer Kindheit, die sie in St. Anton am Arlberg verbracht haben, assoziiert werden oder ist dieses „Aufwachsen am Arlberg“ in Anbetracht an Ihren beruflichen Werdegang eher dem Prinzip „Zufall“ zuzuschreiben?
Karl Gabl:Wenn ich aus dem Stubenfenster rausblicke, sehe ich das Anrissgebiet der Wolfsgrubenlawine (diese Staublawine forderte 1988 mehrere Todesopfer in St Anton am Arlberg). Schnell wurden Lawinen und das Wetter zu meinem Alltag – ein sehr prägendes Ereignis ist auf das Jahr 1952 zurückzuführen: Ein Sturmtief über der Nordsee hat verheerende Schäden in Nordeuropa verursacht hat. Damals saßen wir vor unserem „glubschaugigen Radiogerät“ und haben diese Meldung vernommen – 2 Jahre später, 1954 war dann der verheerende Lawinenwinter, der in Vorarlberg weit über 100 Todesopfer gefordert hatte. Auch erinnere ich mich an eine Lawine in St. Anton, bei welcher zwei kleine Kinder gestorben sind, die Lawinenkatastrophe von 1988 haben meine Familie und ich hautnah miterlebt – unser Haus war nur wenige Meter entfernt. Schon früh war ich sehr naturverbunden, ursprünglich habe ich eher eine geografische Ausbildung angestrebt. Als ich einst einen Artikel über einen Meteorologen in der Arktis gelesen habe, ist in mir dieser Berufswunsch entfacht. Und jener des Meteorologen war in den 60iger Jahren noch ein „unbekanntes Wesen.“ Mein Vater legte mir damals nahe, ich sollte mein Geld lieber als Rechtsanwalt oder Steuerberater verdienen. Mir war damals klar, dass man „weggehen“ muss, wenn man studieren will – ich habe meine Heimat St. Anton aber nie aufgegeben und behaupte immer schmunzelnd von mir, dass ich 35 Jahre lang Gastarbeiter in Innsbruck war. Die Tatsache, dass ich zum Leiter in Innsbruck ernannt wurde, ist nicht darauf zurück zu führen, dass ich so gut war, sondern darauf, dass ich der Einzige war – das hat damals keinen interessiert (schmunzelnd).

Sie haben zahlreiche Erstbegehungen gemacht, standen auf unzähligen Bergen auf allen Kontinenten und sogar auf drei Siebentausendern. Wie würden Sie das Klima unserer Alpen mit jenem in Patagonien oder im Himalaya vergleichen bzw. was sind die prägnantesten Unterschiede?
Karl Gabl:Nun wird es komplex: In den Alpen befinden wir uns in der Westwindzone, in Abständen von 2-4 Tagen ziehen Störungen durch, in der Tropik gibt es keine großen Temperatur-Jahresschwankungen. Patagonien hingegen ist bekannt für schnelle Wetterveränderungen – in diesen Regionen werden die höchsten Windgeschwindigkeiten gemessen. Die Unterschiede sind auf die Breitengrade zurückzuführen – die Westwindzone ist auf der Südhalbkugel deutlich stärker ausgeprägt als auf der Nordhalbkugel, da dort kaum Landmassen und Gebirge die westlichen Winde bremsen oder ablenken können.

Bergkameraden und Prominente aus aller Welt vertrauen auf ihre Prognosen. Bei ihrer Buchpräsentation in ihrer Heimatgemeinde haben Sie von sich selbst gesagt, dass sich vermutlich jener Meteorologe sind, der die meisten Fehlprognosen erstellt hat. Warum das? Und können Sie uns Anekdoten aus ihrem Berufsleben erzählen?
Karl Gabl: Vermutlich deswegen, weil ich so viel „Dienst“ gemacht habe. Früher waren wir oft alleine oder zu zweit, mittlerweile gibt es ja mehrere Meteorologen. Und, ich kann nach wie vor von mir behaupten, dass ich vermutlich der Einzige bin, der eine Prognose vier Jahre im Vorfeld gemacht hat: Eines Tages bekam ich einen Anruf einer Schützenkompanie, diese planten vier Jahre im Voraus ein Schützenfest und nur zwei Wochenenden standen zur Auswahl. Daraufhin habe ich Statistiken der vergangenen 20 Jahre ausgewertet, diese haben tatsächlich ergeben, dass es an einem Wochenende zu zwei Dritteln geregnet hat, beim anderen nur zu 48-50 %. Dieses wurde dann auch ausgewählt – und es hat auch tatsächlich gepasst (schmunzelnd). Und noch eine weitere Anekdote kann ich erzählen: So habe ich mit Gerlinde Kaltenbrunner die wohl höchste „Gehaltsverhandlung“ getätigt, auf einer Seehöhe von 8.000 Metern. Ich habe Prognosen stets ehrenamtlich getätigt, als Gerlinde auf dem Retourweg einer Expedition war, habe ich entdeckt, dass auf dem Foto keine einzige Gesichtsfalte zu erkennen ist. Daraufhin habe ich angemerkt, dass sie mir ihre Gesichtscreme leihen muss (lachend).

„Ich habe die Wolken von oben und von unten gesehen“ ist der Titel ihrer Autobiografie – warum haben Sie diesen Titel gewählt?
Karl Gabl:Den Titel hat meine Frau Stephanie Geiger ausgewählt. Ebenso hat sie redigiert und das Titelbild gemacht – dies zeigt mich nach einer Expedition auf einen 6.000er, nachdem ich sichtlich geschlaucht war (schmunzelnd).

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