Klimatisch Bewegt


„Die kreative Zerstörung“

Die deutsche Technologie-Unternehmerin und Juristin Yvonne Hofstetter sieht in der Digitalisierung auch negative Entwicklungen

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Foto: Heimo Aga

(lisi) Alle reden vom großen Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringen wird. Doch, was kommt wirklich auf die Menschheit zu? Die Digitalisierung wird unbestritten unser Leben verändern. Die deutsche Technologie-Unternehmerin und Juristin Yvonne Hofstetter spricht im PASSIVHAUSmagazin darüber, wie unsere Zukunft ausschauen könnte. Weiter noch: Die Expertin warnt davor, dass die Digitalisierung die uns bekannte Welt zerstören könnte.

Frau Hofstetter, Sie sind Juristin und aber auch Mitglied eines Teams aus Technologen, das künstliche Intelligenz nicht nur in den Testumgebungen der Forschungslabore, sondern für den operativen Einsatz in verschiedenen Industrien baut. Inwieweit zollen Sie der „Digitalisierung“ Potenzial und wo sehen Sie negative Entwicklungen?
Yvonne Hofstetter: 
Die Digitalisierung hat den Anspruch der „kreativen Zerstörung“. Ihre Produkte, Services, Geschäftsmodelle und Technologien zerstören das Alte des 20. Jahrhunderts – Geschäftsprozesse und -strukturen, Unternehmensphilosophien, Einsatzdoktrinen. „Das haben wir schon immer so gemacht“, gilt nicht mehr in der digitalen Ära. Nehmen Sie zum Beispiel das Smartphone. Vor elf Jahren hat Apple das erste iPhone verkauft. Seitdem hat sich unsere Gesellschaft entscheidend verändert. Wir kommunizieren anders, daten anders, arbeiten anders als früher. Das ist schön und bedrohlich zugleich, weil wir wissen: Digitale Technologien werden Arbeit automatisieren und Berufsbilder für immer auslöschen. Hinzukommt, dass die weiter zunehmende Vernetzung zum Internet of Everything unsere Gesellschaft noch komplexer und noch schwerer regierbar und noch unsicherer macht. Andererseits eröffnet die Digitalisierung Chancen auf Wirtschaftswachstum, denn wir beuten sozusagen einen neuen Raum aus, quasi den virtuellen Raum.

Auf Ihrer Homepage findet sich folgende Aussage: „Innovation verlangt nicht nur Leidenschaft, sie braucht auch Vernunft.“ In welchen Bereichen wird – aus Ihrer persönlichen Sicht – nicht „vernünftig“ mit technologischen Fortschritten umgegangen?
Yvonne Hofstetter:
  Nehmen Sie – ganz aktuell – den Facebook-Skandal. „Das haben wir unterschätzt“, hören wir aus dem Silicon Valley. „Darüber haben wir nicht nachgedacht, wir haben nicht genug Verantwortung übernommen, wir haben Fehler gemacht.“ So und ähnlich lauten die schwachen Entschuldigungen des Industriekonzerns, der der Demokratie schwerste Schäden zugefügt hat. Seit Jahren rede ich über die Problematik, dass die Werbeplattformen der Internetkonzerne die Verbraucher in die Irre führen; dass sie vorgeben, Nachrichtenbringer zu sein, es aber nicht sind; dass sie Vertrauen zerstören, weil so viele Lügen, Übertreibungen, Auslassungen auf ihren Werbeplattformen zu lesen sind, dass sie die Bürger in ein Meinungschaos stürzen, bis die Bürger „falsche“ (Wahl-) Entscheidungen treffen; dass sie den Verlust der Wahrheit zu verantworten haben, weil im Chaos der Aussagen kein Unterschied mehr gemacht wird zwischen Meinung und Wirklichkeit. Könnte man die Effekte, wie sie jetzt auftreten, voraus erahnen? Ja, wenn man seinen Kopf einschaltet, etwas politische Kultur und geschichtliches Wissen einbringt und ein wenig mit Recht und Philosophie vertraut ist – also mit den Geisteswissenschaften, nicht nur den Naturwissenschaften. An Ersterem fehlt es übermotivierten jungen Technologen gänzlich. Die Vernunft ist ein Kind der Geisteswissenschaften, die an den höheren Bildungsinstituten oft nur noch abfällig behandelt werden. Zumindest werden sie finanziell massiv schlechter gefördert als die Naturwissenschaften oder die Empirie. Hier ist viel mehr Balance nötig.

„Die Vernunft ist ein Kind der Geisteswissenschaften, die an den höheren Bildungsinstituten oft nur noch abfällig behandelt werden.“

Sie gelten als Expertin künstlicher Intelligenz. Die Digitalisierung hat längst auch die Baubranche erreicht. Unlängst wurden 3D-Drucker entwickelt, die ganze Häuser drucken. Was glauben Sie, wie entwickelt sich diese Branche in der Zukunft?
Yvonne Hofstetter
:  Erst gestern habe ich auf einem Kongress vor österreichischen Architekten gesprochen. Dabei lernen wir gegenseitig voneinander. Ich habe verstanden, dass der Trend zum Low-Tech-Bauen geht und halte diesen Trend für extrem sinnvoll. Hat sich schon jemand überlegt, wie wartungsintensiv ein Smart Home ist? Wie ineffizient im Energieverbrauch, wenn ich für die Steuerung meines Hauses im Rechenzentrum eine Menge Datenspeicher und Prozessorleistung brauche, und das 24/7? Wie unpraktisch es ist, wenn ich alle Lichtbilder umprogrammieren muss, nur weil ich das Sofa in eine andere Ecke schiebe und dort auch lesen will? Nehmen wir auch auf die elektrosensiblen Menschen Rücksicht, wenn wir die Häuser mit funkender Sensorik vollstopfen? Low-Tech ist hier toll, denn jeder Sensor, jede Steuerung, die ich nicht verbaue, hat einen ewigen Lebenszyklus und null Amortisationskosten. Ansonsten sehe ich die Plattformökonomie auch in der Baubranche um sich greifen. Händler und lokale Handwerke werden aus der Wertschöpfungskette gedrängt. Denken Sie etwa an die Dachdecker. Bauherren können heute ihr Dach online direkt beim Hersteller bestellen, und verlegt werden die Dachziegel von Tageslöhnern, gerne aus anderen Ländern. Plattformökonomie ist ein Problem für alle Branchen – außer für die Plattformen selbst.

Im Dezember 2016 ist Ihr Buch erschienen „Das Ende der Demokratie.“ Worauf spielen Sie mit diesem Buchtitel an?
Yvonne Hofstetter: Auf die Veränderung des Menschenbilds in der Digitalisierung. Digitale Angebote degradieren den Menschen zur Sache. Der Mensch, sagen uns die Hersteller unserer digitalen Lieblingsmarken, ist „die ultimative Maschine“. Er ist ein „biologistischer Algorithmus“. Man will künstliche Intelligenz einsetzen, „um die Menschen umzuprogrammieren, damit sie sich besser benehmen.“ So lauten die Zitate aus dem Silicon Valley. Wir sind nur ein Datenhaufen, den man manipulieren kann – so wie Facebook mit Cambridge Analytica oder Palantir, einer anderen Manipulationsfirma. Das Problem mit der Demokratie ist aber, dass sie den freien, souveränen, vernünftigen Menschen voraussetzt, der selbst denken kann. Ändere ich dieses Menschenbild hin zur determinierten Bio-Maschine, kann ich die Demokratie ad acta legen. Wozu dann noch frei wählen? Eine determinierte Bio-Maschine mit vorherbestimmtem Handlungsablauf, dem Algorithmus, ist nicht frei und hat deshalb auch keine Wahl.

Bei allen Zweifeln: Ist Ihrer Meinung nach eine Balance zwischen technischer Weiterentwicklung und einer humanen Zukunft für uns alle möglich?
Yvonne Hofstetter:  Schon in der ersten industriellen Revolution gab es inhumane Auswüchse wie Kinderarbeit, die 80-Stunden-Woche, Niedriglöhne und schlimme hygienische Arbeitsverhältnisse. Das konnten wir im 20. Jahrhundert ändern. Heute stehen wir vor einer ähnlichen Herausforderung. Heute betrifft die Hygiene den Umgang miteinander – Stichwort: Eingrenzung der physischen Gewalt in der Gesellschaft, befördert durch Hate Speech im Internet – oder die Wahrung eines Rests an Privatsphäre in einer Umgebung der Totalüberwachung durch smarte Telefone, Autos, Häuser, Städte. Im 20. Jahrhundert war der Mensch in der Lage, die Zukunft zu humanisieren. Das kann ihm auch heute gelingen – hoffentlich ohne die schrecklichen gesellschaftlichen Begleiterscheinungen, die wir aus dem 20. Jahrhundert kennen.

In Ihrem ersten Buch „Sie wissen alles“, das 2014 erschienen ist, schreiben Sie davon, dass wir die Kontrolle über unsere Daten längst verloren haben und einer Gefahr, ausgehend von intelligenten Algorithmen. Wird der Mensch wirklich „gläsern“?
Yvonne Hofstetter: Sie können kein smartes Gerät nutzen, ohne dass Sie überwacht werden. Bei „smart“ ist die Überwachung direkt eingebaut, sie ist systemimmanent. Alle Daten, die „smart“ bei Ihnen abgreift, sind auf ewig für Sie verloren. Sie holen Sie nie mehr zurück. Nicht Ihre Bewegungsprofile, nicht Ihr Netzwerk, nicht Ihr Verhaltens- und Wohnprofil und nicht Ihr Psychogramm. Das ist eine der technologischen Kräfte der Digitalisierung: alles fließt – auch die Kopie Ihres Lebens. Sie fließt durchs Netz, kopiert sich hier und da und wird dort oder anderswo ergänzt und angebaut. Das stört uns wenig, solange wir in einer Demokratie leben. Aber wehe uns, wenn die Lage kippt. Dann können wir ganz schnell chinesische Verhältnisse haben: die Kopfnote, die uns als „guten“ oder „schlechten“ Bürger klassifiziert. Dann wäre die Wandlung des freien Menschen in eine Zahl, in den Neuen Menschen des 21. Jahrhunderts, vollendet – mit allen Konsequenzen für unsere persönliche Zukunft, über die dann andere bestimmen und nicht mehr wir selbst.  

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Klimatisch Bewegt


„Der Alpentourismus wird beinahe zum Disneyland“

Andreas Künk aus Schruns über klimatische Veränderungen in den Bergen

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Foto: Andreas Künk

(lisi) Die Entwicklung der Gletscher als deutliche Auswirkung des Klimawandels,  der weltweite Rückzug der Gebirgsgletscher, gehört wohl mitunter zu den sichtbarsten Zeichen, dass sich das Klima der Erde markant verändert hat. Ferner, als welche Gletscher oftmals in unserem Sprachgebrauch betitelt werden, gelten als Schlüsselindikatoren für Klimaveränderungen. Über dieses Faktum, und auch über die Kommerzialität und den damit verbundenen Abenteuer-Massentourismus am Berg, spricht der Montafoner Andreas Künk, selbst Alpinist, selbstständiger Fotograf, Vortragsreferent und Buchautor in einer praxisnahen Analyse mit dem PASSIVHAUSmagazin.

Seit 1985 führen Sie zahlreiche Reisen und Bergtouren, unter anderem in die Westalpen, nach Afrika, auf die Arabische Halbinsel, nach Ost- und Südostasien, Nepal, Iran, Russland und Nordamerika. Dabei bestiegen Sie über 70 Fünf- und Sechstausender. Ihr bevorstehender 50. Geburtstag im Oktober bietet eine Gelegenheit, zurückzublicken: Wie kam es einst zu dieser Leidenschaft? Und gab es besonders prägende Erlebnisse?
Andreas Künk:
Seit meiner Jugend stellt dies für mich ein konstantes Hobby dar, das im Laufe der Jahrzehnte stets ausgedehnt (und auch zum Beruf) wurde – sozusagen vom Montafon in die Berge dieser Welt. Auf anfängliche Bergtouren mit dem Vater in meiner Kindheit, folgten Solo-Hüttentouren als Zwölfjähriger (schmunzelnd: Damals noch in Kniebundhosen), diese wurden dann kontinuierlich gesteigert mit Übernachtungen auf Hütten oder anschließenden Gipfeltouren. Seither war ich allein in Nepal 23 Mal. Ein besonderes Erlebnis war es, das erste Mal vor der 4.000 Meter hohen Wand des Bergmassivs Annapurna zu stehen – den Menschen in Nepal habe ich übrigens auch eines meiner Bücher gewidmet. Das extremste Abenteuer erlebte ich in Alaska bei Temperaturen bis zu minus 54 Grad Celsius.

Zum Thema der Erderwärmung: Diese bringt besonders auch für den Bergsport Veränderungen mit sich. Teilen Sie diese Meinung?
Andreas Künk
: Auf jeden Fall. Die Routen verändern sich permanent, es wird immer gefährlicher. Beispielsweise war es vor Jahrzehnten problemlos möglich, den Ochsentaler Gletscher über das „Wiesbadner Grätle“ mit einem großen Schritt vom Fels ins Eis zu erreichen -  jetzt ist hier eine zehn Meter tiefe und fünf Meter breite Randkluft zu finden, da geht nichts mehr mit einem „großen Schritt.“ Die ehemaligen Originalrouten des Piz Buin sind zudem längst nicht mehr begehbar. Als ich vor 36 Jahren erstmals auf dem Piz Buin war, sind der Ochsentaler und der Vermunt Gletscher ineinander übergegangen, zwischenzeitlich sind beide deutlich zurückgegangen.

„In den Alpen herrscht – verglichen mit anderen Regionen dieser Welt – ein regelrechter Massen-Alpintourismus.”

Besonders in Nepal und Südamerika scheint es Gletscher zu geben, die nach wie vor „wachsen“ – können Sie uns hierzu Ihre Sichtweise näherbringen?
Andreas Künk:
In entlegenen Gebieten dieser Welt gibt es weniger Schadstoffbelastungen, Industrie, auch weniger Flugverkehr, etc. Klimaveränderungen sind jedoch global betrachtet, mehr und mehr spürbar. Der Kilimanjaro-Gletscher hat sich beispielsweise in 20 Jahren halbiert. Ein Beispiel ist auch im Berner Oberland zu finden: Die Koncordiahütte wurde bei der Errichtung 1877 direkt zum Gletscherrand gebaut, nun muss man von dieser mehr als 200 Meter zum Gletscherrand aufsteigen.

Wie hat sich das Klima konkret in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Andreas Künk:
Früher war es so, dass die Schneemengen größer waren, nun sind diese geringer, die Temperaturen im Frühjahr sind jedoch deutlich gestiegen. Die geringeren Schneemengen schmelzen schneller, was zur Folge hat, dass darunterliegende Eisschichten durch die Sonneneinstrahlung schneller angegriffen werden. Der Rückgang des Gletschers und wärmere Temperaturen führen auch dazu, dass Geröllschichten nicht mehr gefroren sind, was zur Folge hat, dass diese in Bewegung geraten. Durch diese Veränderungen entstehen Spannungen an der Oberfläche, mehr Risse und dadurch vermehrt Gletscherspalten.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Alpentourismus verändert?
Andreas Künk:
Klettersteige sprießen wie Pilze aus dem Boden. Diesen Trend sehe ich als eine sehr „wartungsintensive Geschichte“ – die Gefahren sehe ich besonders bei Veränderungen des Gesteins, es wird zunehmend brüchiger, die Gefahr von Felsabbrüchen bei Klettersteigen steigt meines Erachtens nach. In den Alpen herrscht – verglichen mit anderen Regionen dieser Welt – ein regelrechter Massen-Alpin-tourismus. Ich würde sagen, der Alpentourismus wird beinahe zum Disneyland. In anderen Regionen, beispielsweise in Nepal oder Pakistan, stellt der Bergsport kein Hobby für die einheimische Bevölkerung dar, vielmehr ist dieser als wichtige Einnahmequelle für die Menschen im Land zu betrachten.

Sind Klimaveränderungen – abgesehen von der Gletscherschmelze – auch in tieferen Bergsteig- und Wandergebieten spürbar? Wenn ja, wie?
Andreas Künk:
Ja, aus meiner Sicht auch für Wanderer, denn: Wetterumschwünge kommen wesentlich ausgeprägter und schneller als früher. Die Menschen beschäftigen sich zudem nicht mehr mit Langzeitwetterentwicklungen und mit einem schnellen Blick auf die Webcam kann vieles nicht eingeschätzt werden.

Worauf sollten Bergsportler achten? Welche Tipps geben Sie Kollegen mit auf den Weg?
Andreas Künk:
Ich bin der Meinung, dass eine gute Ausrüstung zwar einen wesentlichen Bestandteil darstellt, jedoch sollte man sich auch umfangreich damit befassen – es reicht nicht aus, diese im Rucksack mitzuführen. Und: So schön optische Eindrücke von diversen Webcams sein mögen, diese Impressionen zeigen die örtlichen Verhältnisse nicht. Beispielsweise ist nicht sichtbar, ob der Schnee durch Schneefall oder Windverwehungen in diverse Rinnen gelangt ist – denn: Schnee ist immer weiß. Mittlerweile werden bereits im Dezember Skitouren gegangen, das kann gefährlich sein, denn zu dieser Jahreszeit ist der Schnee meist noch nicht verdichtet.

Sie kennen die Berge dieser Welt. Und verpacken diese Impressionen als selbstständiger Fotograf visuell, aber auch rhetorisch mit diversen Themenvorträgen. Welchen Kernthemen widmen sich Ihre Vorträge?
Andreas Künk:
Mittlerweile sind sieben meiner Bücher erschienen. Diese zeigen nicht nur Bildimpressionen, auch legt der deutsche Verlag (Tecklenborg Verlag) viel Wert darauf, dass diese durch umfangreiche Informationen bereichert werden. Zudem erscheint jährlich auch ein Montafon-Kalender (Auflage 1.500 Stück) mit Impressionen aus meiner Heimat. Die Themenvorträge sind an meine Bücher angelehnt – jetzt im Oktober 2018 startet eine mehrwöchige Vortragsserie in Deutschland (Termine siehe: www.augenblicke.biz).

In ihrem breit gefächerten Kundenangebot finden sich auch Fotoreisen – wohin führen Sie diese Reisen?
Andreas Künk:
Ich sehe mich sozusagen als Bindeglied oder Mittelsperson zwischen dem Veranstalter, den Einheimischen und den reisenden Personen. Bisher habe ich nicht nur Trekkingreisen, auch Fotoreisen wie Safarireisen in Afrika, oder Reisen zu den Gorillas Ugandas, uvm. gemacht. Oftmals ist es nicht einfach, da die Gruppen sich vorher nicht kennen und einfach zusammengewürfelt werden. Ich erinnere mich an eine Kilimanjaro-Reise, diese Gruppe setzte sich aus vier Nationalitäten zusammen – neben Extremsituationen auf den Bergen kommen oftmals noch sprachliche Barrieren hinzu (schmunzelnd).

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Klimatisch Bewegt


„Das Frustrationsniveau ist hoch“

Österreichs Solarexpertin und Energiebloggerin Cornelia Daniel kommentiert den Entwurf zur Klima- und Energiestrategie

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Foto: Tony Gigov Tausendundein Dach

(lisi) Konstruktive Kritik am Entwurf der Klima- und Energiestrategie übt Österreichs Solarunternehmerin, Energiebloggerin und zugleich Initiatorin des privaten „Tausendundein Dach-Programms“, Cornelia Daniel. Im Interview mit dem PASSIVHAUSmagazin definiert die Expertin unser Nachbarland Deutschland als positives Vorbild im Bereich Photovoltaik und spricht auch über Ideen, die den prozentuellen Anteil dieser alternativen Energiegewinnung steigern könnten. Dabei plädiert die Expertin klar in Richtung einer Staatsoffensive.

Daniel, Österreichs Umweltministerin Elisabeth Köstinger und Verkehrsminister Norbert Hofer haben einen Entwurf für eine integrierte Klima- und Energiestrategie (IKES) „#mission2030“ veröffentlicht. Sie als Solarunternehmerin und Energiebloggerin waren von diesem Entwurf enttäuscht. Warum genau?
Cornelia Daniel:
Dazu ist zu sagen, dass dies mittlerweile die dritte oder vierte Regierung (ich hab den Überblick verloren) ist, die einen Versuch startet, eine Energie- und Klimastrategie auf den Weg zu bringen. Die Erwartungshaltung und auch das Frustrationsniveau in der Branche ist dementsprechend hoch. Dass nun zumindest mal ein Papier auf dem Tisch liegt, ist erstmal positiv und wenn umgesetzt wird, was in manchen Passagen enthalten ist, gibt es ebenfalls Grund zur Hoffnung. Vor allem das Vorhaben, dass es mittelfristig in ganz Österreich keine klimaschädlichen Investitionen, weder öffentlich noch privat, mehr geben darf, ist ein hehres Ziel und wenn umgesetzt, dann darf de facto auch kein einziges fossil betriebenes Auto mehr gekauft werden. Geschweige denn eine Öl- und in dem Fall auch Gasheizung. Leider fehlen zu diesem Endziel aber jegliche Schritte. Ein Grund zur Sorge ist eben die Unkonkretheit der Maßnahmen und dass bereits im Vorfeld anscheinend schon wieder an allen Ecken und Enden Zuständigkeiten und Ziele gestrichen wurden und deshalb nicht anzunehmen ist, dass sich die Interessensvertreter, die die letzten zehn Jahre die Dekarbonisierung verhindert haben, nun nicht auch noch fünf weitere Wochen alles daran setzen werden um die Strategie möglichst zahnlos ausfallen zu lassen. Aber die Hoffnung, dass nun doch ernsthafte Bemühungen unternommen werden, stirbt bekanntlich zuletzt.

„Was spricht da- gegen, alle öffent-lichen Gebäude mit Photovoltaik aus- zustatten? Das spart sowohl Geld als auch CO2.“

Ziel der #mission2030 ist eine hundertprozentige Stromversorgung Österreichs aus erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahr 2030. Dafür sollen sowohl Energieeinsparungen als auch der weitere Ausbau der Erneuerbaren sorgen. Dazu beinhaltet der IKES-Entwurf das 100.000 Dächer Programm – wie stehen Sie im Allgemeinen zu diesem Programm?
Cornelia Daniel: Als Initiatorin des privaten Programms Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Gewerbedächer zu solarisieren, begrüße ich dieses Programm natürlich. Vor allem, weil wir das Programm auch aus dem Grund gestartet haben, dass sich vor wenigen Jahren so wenig getan hat im Bereich Photovoltaik. In Deutschland der 90er Jahre wurde die Photovoltaik mit dem 1000-Dächer Programm und einem darauffolgenden 100.000 Dächer Programm auf einen historischen Erfolgspfad geführt. Da es diese Bewegung in Österreich nie gab, haben wir 2014 kurzerhand eben ein privates „1000-Dächer Programm“ gestartet mit der Hoffnung, dass ein staatliches 100.000 Dächer Programm folgen wird. Dass dies nun tatsächlich passiert ist erstmal erfreulich. Nicht so erfreulich ist, dass dem Programm (noch) die Maßnahmen fehlen und eine Verzehnfachung des Marktes bis 2022 gelingen muss, damit die Ziele bis 2030 erreicht werden. Davon sind wir auch mit einem 100.000 Dächer Programm weit entfernt und nach neuen Daten der E-Wirtschaft müssten 200.000 neue PV-Anlagen errichtet werden, aber Jahr für Jahr. Bis 2030 wären das in Summe rund 2,4 Millionen neue PV-Anlagen oder 12 GWp Zubau.

 

Der Klima- und Energiestrategie ist zu entnehmen, dass aktuell die Erzeugungsquote aus PV-Anlagen lediglich einem Anteil von 1 % liegt. Und, das obwohl 83 % der Österreicher einen „Strom aus Österreich“ wollen, 95 % sogar „Grünstrom“. Sie selbst sind jedoch der Meinung, dass eine Investitionsförderung allein nicht ausreicht – welche Ideen hätten Sie, um den prozentuellen Anteil dieser alternativen Energiegewinnung zu erhöhen?
Cornelia Daniel:Sie sagen es, wir sind erst bei einem Prozent und müssen bis 2050 auf 20 Prozent kommen. Dieses 1% haben wir in 10 Jahren geschafft und wir stehen vor nicht weniger als einem kompletten Umbau unseres Energiesystems. 10-20% Investitionsförderung sind dafür nicht das geeignete Mittel, wenn rundherum alles gleich bleibt. Das ist eine Illusion vor der ich eben warnen möchte. Nur mit der Investförderung eine Verzehnfachung des Marktes zu erreichen ist weder finanzierbar noch wird es passieren. Solange die Energiepreise nicht die Vollkosten widerspiegeln und die Netzentgelte auf dem alten zentralen Energiesystem basieren mit hohen Fixkosten und geringen variablen Anteilen nicht zu sprechen von allen rechtlichen Hürden, gibt es für Investoren nicht genug Anreize für die notwendigen Milliarden, die investiert werden müssen. 12 GWp Photovoltaik kosten immerhin ca. 12 Milliarden, was im Vergleich zur Hypo Pleite wieder Peanuts sind, aber für die Privatinvestoren, die auf lange Sicht investieren müssen, braucht es klare Signale des Marktes wo die Reise hingeht. Hier wäre auch die Vorbildwirkung des Staates extrem wichtig. Was spricht dagegen alle öffentlichen Gebäude mit Photovoltaik auszustatten? Der Strom vom eigenen Dach ist mittlerweile die günstigste Energiequelle und der Staat verfügt über enorm viel günstiges Kapital. Alles Gründe, die für eine große Staatsoffensive sprechen würden, und den prozentuellen Anteil schnell erhöhen würde.

Auch ist in der Klima- und Energiestrategie festgelegt, dass die Eigenstromsteuer gestrichen werden soll bzw. ist bereits derzeit die Eigenstromproduktion der ersten 25.000 kwh steuerbefreit. Der Wegfall dieser Eigenstromsteuer sollte im Rahmen der Steuerreform behandelt werden. Würde diese Reform Ihren Wünschen entsprechen oder glauben Sie, dass auch das wenig Anreiz bringt?
Cornelia Daniel:Das ist das das Mindeste, was passieren muss, weil diese Radiesschensteuer per se eine der ignorantesten Entscheidungen der Vorgängerregierung war. Diese Maßnahme ist also nur als Reparatur eines groben Fehlers und wir haben einige Kunden, die aufgrund der Steuer noch nicht investiert haben, also Ja, es wird einen gewissen Anreiz geben. Gleichzeit bräuchte es nach diesem Vertrauensbruch auch etwas, dass dieses Vertrauen wieder herstellt. Dort wo ich den größten Hebel sehe ist tatsächlich in einer ehrlichen ökologischen Steuerreform. Hier wäre sogar eine kostenneutrale und budgetschonende Variante möglich. Solarstrom ist in vielen Fällen schon günstiger als der Strom vom Netz. Hinderlich sind aber immer noch die Einmalkosten bei der Investition. Eine Sonderabschreibung auf wenige Jahre statt der vorgeschriebenen 20 würde in der kommenden Hochkonjunktur die sich gerade abzeichnet ungeahntes Investitionsvolumen in Richtung Photovoltaik auslösen und nebenbei 2,4 Milliarden an Umsatzsteuer in die Kassen spülen. Nicht zu sprechen von den Lohnsteuern, die durch die Tausenden Arbeitsplätze dazukommen würden. Es wäre im schlimmsten Fall ein Nullsummenspiel für den Finanzminister bei gleichzeitiger Erfüllung der Klimaziele. Eigentlich eine Win-Win-Win Situation. Leider wird mir immer wieder gesagt, dass das Finanzministerium für die Energie- und Klimastrategie aber nicht zuständig ist. Solange hier nicht wirklich eng zusammengearbeitet wird und an vielen Schrauben gedreht wird, kommen wir von den niedrigen jährlichen Zubauraten nur schwer weg. Die kleine Ökostromnovelle zeigt gerade erste Erfolge und es gibt im Moment keinen besseren Zeitpunkt zu investieren, das hört 2019 aber schon wieder auf und nun wäre es umso wichtiger für 2020 den richtig großen Wurf vorzubereiten. Wenn gewünscht werde ich auch meinen Anteil dazu beitragen.