Klimatisch Bewegt


Architekturgespräch

Im Gespräch mit einem „Allrounder”, dem planenden Baumeister und Mediator Gerald Horak

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Planender Baumeister, Mediator und
Geschäftsführer von VIVERO-Haus, Gerald Horak

(CMS) Nach begonnenem Betriebswirtschafts- und Informatikstudium landete Gerald Horak aus Amstetten schließlich bei der Architektur. Heute als planender Baumeister und ausgebildeter Mediator tätig, ließen ihn sein spannender Berufsweg und prägende Begegnungen vor beinahe zwanzig Jahren erstmals auf das Thema Passivhaus stoßen. Aus der Idee des energieeffizienten Bauens in ganz reduzierter Weise wurde vor einigen Jahren das „VIVERO-Haus” – das Fertighaus aus dem Mostviertel – geboren. VIVERO-Häuser sind Einfamilienhäuser mit ganz individuellen Zielsetzungen. Sie können um einen Fixpreis angeboten und innerhalb kürzester Zeit realisiert werden. Die sehr schlicht gehaltenen Häuser werden allen zeitlosen, funktionellen Ansprüchen auf Dauer gerecht, sind in ihrer technischen Funktionalität am Puls der Zeit und ihre „Kleider”, also Fassaden, sind quasi wie eine dritte Haut – frei wähl- und jederzeit austauschbar.

 

Wie kamen Sie in jungen Jahren mit Architektur in Berührung und in welcher Art und Weise begannen Sie Ihren Weg als Planer?
Gerald Horak:
„In meiner Jugend hat meine Mutter wie ein Visionär einmal zu mir gesagt: ‚Ich glaub´, Architekt wär´ das Richtige für dich.‘ Ich bin aber dann doch vorerst beim Studium der Betriebswirtschaft und Informatik gelandet, welches ich auch selbst finanziert habe. Die Studienrichtung Informatik ist mir auf meinem Weg immer wieder sehr zugute gekommen – ich habe beispielsweise die Gebührenordnung für Architekten programmiert. Mein Talent in dieser Richtung hat aber mein Herz nie richtig zum Klopfen gebracht. Erst eine Bekanntschaft aus dem Bereich der Architektur hat mich dieser Thematik nähergebracht und ich habe begonnen, in Wien Architektur zu studieren.
Aus familiären Gründen habe ich aber kurz vor dem Abschluss abgebrochen und als Projektleiter in einem Architekturbüro gearbeitet.
Nach dem Bundesheer war mir klar, dass ich unbedingt selbstständig arbeiten möchte – daraufhin habe ich mich dann mit einem Architekten zusammengetan und mit ihm gemeinsam in einem Büro mit 20 Beschäftigten Architektur- bzw. Kulturprojekte umgesetzt und auch eine Landesausstellung organisiert.“

„Beim Bauen geht´s um Beziehungen”

Wann kam das Thema „Energieeffizientes Bauen“ in Ihr Leben und auf welche Weise haben Sie sich damit auseinandergesetzt?”
Gerald Horak:
„Die Bürogemeinschaft von damals hat sich nach erfolgreichen Jahren aufgelöst und ich bin im Jahre 1998 über den Haustechnik-Experten Michael Schalk zum Thema „Passivhaus“ gekommen. 1999 haben wir dann das erste Passivhaus gebaut, wobei die Technologien natürlich noch lange nicht so ausgereift waren wie heute. Damals sind auch die ersten Lichtlenkungs-Theorien aufgekommen und das habe ich ungemein spannend gefunden. Zu unserem Glück ist zur richtigen Zeit der richtige Kunde an uns herangetreten, der ein „energieautarkes” Haus haben wollte. In unserer jugendlichen Naivität haben wir ja gesagt und uns an dieses Experiment gewagt. Das war eigentlich ein kleineres Projekt, das wir neben unseren größeren Aufträgen rein aus Interesse durchgezogen haben.“

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus und wie kamen Sie auf die Marke VIVERO-Haus?
Gerald Horak:
„Heute setze ich in meinem 3-Frau/Mann-Büro Objekte in kleinerem Stil um. Wir arbeiten an individuell geplanten Objekten wie auch an unseren VIVERO-Häusern. Vor einigen Jahren habe ich für mich erkannt, dass dieser ganze Bereich des Ein- und Mehrfamilienhausbaues eigentlich auch in Richtung Fixpreis gehen kann und muss. Wenn man nämlich ehrlich ist, kann man bei einem Vorentwurf immer nur Kostenschätzungen abgeben. Die Bauherren wollen heute aber sowohl Zeit- als auch Fixpreisgarantien und das hat mich schließlich zur Bauträgerprüfung gebracht. Zur gleichen Zeit bin ich außerdem Mitglied im BNI-Netzwerk geworden und hatte damit gleich die notwendigen Partner aus der Region zur Umsetzung meiner Ideen an der Hand – ein mittlerweile eingespieltes Team von Unternehmen, das sich mit mir gemeinsam darauf eingelassen hat. Alle kennen sich und ihre Arbeitsweisen, können sich aufeinander verlassen und daher ein Haus viel schneller bauen als andere - und das zum Fixpreis. Das war quasi der Startschuss für das VIVERO-Haus. Wir von Horak Architectura betreuen das VIVERO-Haus als Marke. Es gibt entweder fertige Modell-Häuser oder wir entwickeln gemeinsam mit dem Kunden ein individuelles Objekt. Die Bedürfnisse der Bauherren stehen dabei immer an erster Stelle. Im Grunde genommen sind es luftdichte Holz-Riegel-Bauten, wobei eines unserer Projekte kürzlich sogar mit einer Klimaaktiv-Prämierung in Gold ausgezeichnet wurde – mit 984 Punkten eines der besten Ergebnisse in Österreich!
Wir errichten Objekte mit einem ökologischen Aufbau und einer Verkleidung ganz individuell nach Wunsch; meist mit einer Luft-Wärme-Pumpe, Lüftungs- und einer Photovoltaikanlage. Die Häuser sind alle sehr reduziert – der einfache Kubus mit viel Aussicht ist mir das Liebste.”


Wie beschreiben Sie Ihre Beziehung zu den Kunden und was ist Ihnen bei der Planung besonders wichtig?
Gerald Horak:
„Wichtig ist mir, ganz genau zu hinterfragen, was jemand wirklich braucht und was nicht und die Familien noch vor der Planung im Willensbildungsprozess zu begleiten. Viele Kunden treten erst in diesem Gespräch mit ihren Bedürfnissen in Kontakt. Meine Ausbildung zum Mediator eröffnet mir natürlich noch einen ganz anderen, sehr wichtigen Zugang zum Bauen. Nach etwa einer Stunde Gespräch weiß ich bei den Interessenten, welche ihrer Sinne am stärksten ausgeprägt sind, kann mir ein klares Bild ihrer individuellen Bedürfnisse machen und vor allem feststellen, was für wen am besten passen könnte. In erster Linie geht es um das Zuhören und in zweiter Linie um die Beziehungen im Haus. Der Tisch beispielsweise ist immer im Zentrum – er nimmt die wichtigste Rolle im Haus ein, weil sich die gesamte Familie an ihm trifft, Geschichte entsteht, gestritten, geliebt und diskutiert wird.  Der Verkehrsfluss führt immer an ihm vorbei. Auch die Beziehungen zwischen dem Innen und Außen sind sehr wichtig. Das extrovertierte Wohnen ist im Moment das Gebot der Stunde – die Leute wollen wissen, was draußen passiert und brauchen im Allgemeinen nur kleine Rückzugsbereiche. Und außerdem sind die Beziehung der Bauherren zueinander, zwischen und zu den Professionisten unglaublich entscheidend. Fixe, regionale Firmen, die gut zusammenarbeiten, sind daher von großem Vorteil. Die Begeisterung aller Beteiligten springt dann quasi auf die zukünftigen Bewohner über und die guten Vibes auf der Baustelle fließen ins Haus mit ein.

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Klimatisch Bewegt


Elektromobilität für ein breites Publikum

Im Gespräch mit Bernhard Kern, dem Präsidenten des ElektroMobilitätsClubs Österreich

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Bernhard Kern, Präsident des ersten Österreichischen ElektroMobilitäts-Clubs,
Infos unter: www.emcaustria.at

 

(CMS) Der ElektroMobilitätsClub Österreich ist der erste Ansprechpartner aller E-Mobilisten. Die Mission ist es, alle interessierten Menschen miteinander zu vernetzen. In monatlich stattfindenden Kompetenztreffen werden aktuelle und wichtige Themen besprochen, sie dienen auch als Plattform zum Austausch von Informationen, Innovationen und Neuigkeiten. Wiedererneuerbare Energien sind im Bereich E-Mobilität für Privatpersonen, aber auch für Betriebe von großem Vorteil – weniger Verschleißteile, weniger Wartungs- und Instandhaltungskosten, günstig und umweltfreundlich laden. All dies führt langfristig zu hohen Ersparnissen und einer ökologischen und ökonomischen Zukunft. Die Nutzung von sauberem Strom stärkt die heimische Volkswirtschaft.
 

Umweltverschmutzung ist ein viel diskutiertes Thema. Alle Menschen sind davon betroffen – deshalb machen sich auch (fast) alle Menschen Gedanken darüber. Aber haben auch alle etwas dazu zu sagen? Nur wer weiß, wovon er redet, kann auch wirklich mitreden – also haben wir den Präsidenten des Clubs, Herrn Bernhard Kern, zum Gespräch gebeten:
 

Herr Kern, was hat Sie als erfolgreicher Versicherungs- und Finanzberater schon vor Jahren dazu bewogen, sich so intensiv für die Elektromobilität im Lande einzusetzen?
Bernhard Kern:
Ich habe mich vor Jahren nach einem völlig autofreien Jahr für den Umstieg auf ein Elektroauto entschieden und diesen Schritt nie bereut. Für mich war damals schon klar, dass sich die Mobilität verändern muss, damit wir unsere Zukunft in einer intakten, lebenswerten Welt sichern können. Jeder muss bei sich beginnen umzudenken, sonst wird sich nichts ändern. 2012 habe ich auch in meinem Betrieb zwei Elektrofahrzeuge angeschafft und wurde daraufhin immer öfter als Gast und Experte für E-Mobilität zu diversen Veranstaltungen eingeladen. Man sollte nur über etwas reden, wovon man auch eine Ahnung hat und sich umfassend informieren, bevor man urteilt.
 

Dieses große Interesse der Öffentlichkeit hat Sie dann wohl zur Gründung des ElektroMobilitätsClub Österreich bewogen?
Bernhard Kern:
Erstens das steigende Interesse und zweitens die Möglichkeit, alle „Freaks“ von damals zum Erfahrungsaustausch an einen Tisch zu bekommen, Informationen ohne Verkaufsinteresse an die Leute zu bringen und ein kritisches Publikum zu erreichen. Wir haben in ganz Oberösterreich Veranstaltungen organisiert und uns gezielten Fragen und Vorurteilen gestellt. Heute ist aus den Freaks von damals ein breites Publikum geworden und die Nachfrage betreffend  Elektromobilität steigt täglich. Das Angebot an Fahrzeugen steigt, die Reichweiten ebenso und auch das Netz an Ladestationen wird stetig erweitert und optimiert.

Eine Stadt ohne Verkehrslärm und verminderte Geruchs- und Staubbelästigung würde unseren Lebensraum deutlich aufwerten.

Mit welchen Vorurteilen haben Sie heute dennoch immer noch zu kämpfen und wie sehen Ihre Antworten darauf aus?
Bernhard Kern:
Es werden leider immer wieder Falschmeldungen verbreitet, welche die Bevölkerung teilweise verunsichern. Auf unserer homepage unter www.emcaustria.at haben wir diese zusammengefasst und auch gleich umfassend beantwortet. Fakt ist, dass die Ersparnis auf einen herkömmlichen Mittelklassewagen bei ca. 16.000.- Euro auf fünf Jahre gerechnet beträgt. Was die Reichweiten betrifft, muss man eben ein bisschen besser planen und überlegen wohin man wie fährt – Gedanken, die man sich so und so im Sinne von „Fahr nicht fort, bleib im Ort“ vermehrt machen sollte. Das Netz an Ladestationen wächst, deren Qualität und Nutzfreundlichkeit ebenfalls. Erfreulich ist, dass auch die Förderungsmöglichkeiten wachsen und Elektroautos derzeit gratis in Kurzparkzonen stehen dürfen.
 

Was wünschen Sie sich im Sinne eines breiten Umstieges auf Elektromobilität von den Anbietern und verantwortlichen Stellen?
Bernhard Kern:
Die faire Abrechnung nach tatsächlichem Verbrauch und nicht nach Zeitmodell, sowie die kundenfreundliche Bedienung an den öffentlichen Ladestationen ist uns ein großes Anliegen und dafür setzen wir uns auch verstärkt ein. Die sogenannten Wallboxen – Starkstromsteckdosen für daheim – werden gefördert und sind natürlich die günstigste Möglichkeit aufzuladen. Überfrequentierte Stationen sollten aufgerüstet werden und das Angebot an Fahrzeugen mit einem 60 KW-Akku für bis zu 300km Reichweite steigen, dann wäre auch die breite Masse zum Umstieg bereit.
Eine Stadt ohne Verkehrslärm und verminderter Geruchs- und Staubbelästigung würde unseren Lebensraum jedenfalls deutlich aufwerten.

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Klimatisch Bewegt


„Eindeutig, dass es seit 1970 wärmer geworden ist“

Karl Gabl über die Klima- und Wetterentwicklung

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Karl Gabl, Meteorologe und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

(lisi) Er ist der Mann, auf dessen Prognosen Extrembergsteiger hören. Ein weltweit höchst geschätzter Experte in seinem Metier sozusagen – im Interview mit dem PASSIVHAUSmagazin erläutert der Meteorologe und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, Karl Gabl, seine Sichtweise zur Klima- und Wetterentwicklung, die damit verbundenen Veränderungen für den Alpenraum und deren Einfluss auf Naturkatastrophen. Kurz vor seinem 70. Geburtstag ist seine Autobiografie erschienen – auf 240 Seiten finden sich private und berufliche Lebensmemoiren des Wetterexperten, die teils unter die Haut gehen und darüber hinaus auch ein Stück „Heimatgeschichte“ beinhalten…

 

Pünktlich zu Ihrem 70. Geburtstag haben Sie Ihre Autobiografie veröffentlicht – wer hat Sie dazu motiviert, Ihr Leben Revue passieren zu lassen und wie schwer ist es, solche persönlichen Einblicke zu gewähren?
Karl Gabl:Motiviert hat mich eine Journalistin, die ein Buch über meine Freundin Gerlinde Kaltenbrunner geschrieben hat. Ich würde sagen, ich gewähre in meiner Autobiografie Einblicke, jedoch auch mit einer gewissen Zurückhaltung. Ein Projekt, für das ich beispielsweise gekämpft habe, war die Bahnverlegung in St. Anton am Arlberg. Vor wenigen Wochen habe ich eine E-Mail erhalten, von einem Professor, der damals die Machbarkeitsstudie durchgeführt hat. Er hat gemeint, dass diese „Südvariante“ in seinem Leben eines der sinnvollsten Projekte gewesen sei. Hingegen sehr schwer gefallen sind mir private Einblicke, wie der Tod meiner Frau. Jahre später habe ich dann meine jetzige Frau Stephanie Geiger, übrigens auch bei einem Interview, kennengelernt. Private Passagen habe ich sehr ängstlich und vorsichtig geschrieben, immer aber mit einer gewissen Öffnung. Die Autobiografie beinhaltet jedoch auch viele lustige Geschichten aus meiner Kindheit in St. Anton am Arlberg – also, vieles zum Schmunzeln.

Ihr Beruf schien für Sie immer eine „Berufung“ zu sein – über 40 Jahre lang haben Sie diese als Meteorologe mit großer Leidenschaft ausgeübt. Haben sich in dieser Zeit Prognosen qualitativ verbessert?
Karl Gabl:
Enorm! Als ich 1978 begonnen habe, wurde uns als Meteorologen das Gefühl vermittelt, ausgelacht zu werden. Die Prognosenqualität von damals war eine Katastrophe. Man könnte sagen, dass man mittlerweile dieselbe Qualität bei Prognosen für sechs Tage erreichen kann, wie damals für 24 Stunden. Alleine nur durch diese Entwicklung war es mir möglich, Beratungen und Prognosen über einen längeren Zeitraum für Höhenbergsteiger zu machen.

„Die Jahressumme des Niederschlages zeigt wenig Veränderungen. Jedoch: Eine warme Natur reagiert heftiger.“

Wie hat sich im Allgemeinen das Klima im vergangenen halben Jahrhundert verändert? Sind Tendenzen spürbar?
Karl Gabl
: Ich halte viele Vorträge zu diesem Thema, sozusagen Standortvorträge, die das Klima Tirols im Zeitraum von 100 Jahren beleuchten. Nun ist es so, dass es seit 1970 (verglichen mit dem Klima zwischen 1931 und 1970) eindeutig, um zwei Grad wärmer geworden ist.
 

„Der Klimawandel wird als Problem überschätzt“, sagen die einen. „Der Klimawandel stellt eine wahre Herculesaufgabe dar“, die anderen. Besonders in „Meteorologen-Kreisen“ scheiden sich bei dieser Sichtweise die Geister – wo liegt Ihre persönliche Einschätzung?
Karl Gabl:
Nun, ich fürchte mich nicht, wenn es um ein bis zwei Grad wärmer wird, das kann der Mensch verkraften – eigentlich beflügelt es sogar unseren Sommertourismus. Was mich aber wirklich stört, ist der Umgang mit Ressourcen, der letztendlich zum Klimawandel führt. Man könnte sich anstrengen – man müsste einfach reservierter mit Ressourcen umgehen. Wir werden eines Tages als die „größten Verschwender“ in die Geschichte eingehen. Wenn man beispielsweise China betrachtet: Von 2007 bis 2014 wurde der Ausstoß von Treibhausgasen um 47 % gesteigert – und die Weltpolitik schaut zu? Oftmals kümmern sich die Verantwortlichen hingegen um Probleme, die eigentlich irrelevant sind.

Klimawandel bedeutet Veränderung für den Alpenraum. Klimatische Veränderungen traten in der Geschichte der Alpen immer wieder auf. Unklar ist jedoch, in welchem Zeitraum sich solche Veränderungen vollziehen und welche Auswirkungen sie auf Naturkatastrophen haben. In den vergangenen Jahren sind vermehrt Naturereignisse wie Muren aufgetreten – sehen Sie hier einen Zusammenhang mit dem Klimawandel?
Karl Gabl:
Die Jahressumme des Niederschlages zeigt wenig Veränderungen. Jedoch: Eine wärme Natur reagiert heftiger. Jeder Kubikmeter Luft ist quasi um zwei Grad wärmer. Ereignisse wie kurzzeitige, intensivere Niederschläge werden dadurch mehr, was Muren oder Überflutungen begünstigt. Man muss aber auch erwähnen, dass die ganzen Alpen seit der Entstehung dem Erosionsprozess unterlegen sind, viele Dörfer entstanden auf Schwemmkegeln. Erosionen hat es also schon immer gegeben, mittlerweile etwas vermehrt. Dabei sei auch erwähnt, dass sich der Mensch durch die Beengung des Lebensraums in umliegende Regionen gewagt hat. Man muss jedoch relativieren, dass dies bei Lawinenkatastrophen nicht der Fall ist – durch Maßnahmen wie Verbauungen sind deutlich weniger innerörtliche Schäden zu verbuchen.

Sie beherrschen ihr Metier wie kaum ein Anderer. Wann ist in Ihnen eigentlich der Berufswunsch des Meteorologen entfacht und kann dies mit Ihrer Kindheit, die sie in St. Anton am Arlberg verbracht haben, assoziiert werden oder ist dieses „Aufwachsen am Arlberg“ in Anbetracht an Ihren beruflichen Werdegang eher dem Prinzip „Zufall“ zuzuschreiben?
Karl Gabl: Wenn ich aus dem Stubenfenster rausblicke, sehe ich das Anrissgebiet der Wolfsgrubenlawine (diese Staublawine forderte 1988 mehrere Todesopfer in St Anton am Arlberg). Schnell wurden Lawinen und das Wetter zu meinem Alltag – ein sehr prägendes Ereignis ist auf das Jahr 1952 zurückzuführen: Ein Sturmtief über der Nordsee hat verheerende Schäden in Nordeuropa verursacht hat. Damals saßen wir vor unserem „glubschaugigen Radiogerät“ und haben diese Meldung vernommen – 2 Jahre später, 1954 war dann der verheerende Lawinenwinter, der in Vorarlberg weit über 100 Todesopfer gefordert hatte. Auch erinnere ich mich an eine Lawine in St. Anton, bei welcher zwei kleine Kinder gestorben sind, die Lawinenkatastrophe von 1988 haben meine Familie und ich hautnah miterlebt – unser Haus war nur wenige Meter entfernt. Schon früh war ich sehr naturverbunden, ursprünglich habe ich eher eine geografische Ausbildung angestrebt. Als ich einst einen Artikel über einen Meteorologen in der Arktis gelesen habe, ist in mir dieser Berufswunsch entfacht. Und jener des Meteorologen war in den 60iger Jahren noch ein „unbekanntes Wesen.“ Mein Vater legte mir damals nahe, ich sollte mein Geld lieber als Rechtsanwalt oder Steuerberater verdienen. Mir war damals klar, dass man „weggehen“ muss, wenn man studieren will – ich habe meine Heimat St. Anton aber nie aufgegeben und behaupte immer schmunzelnd von mir, dass ich 35 Jahre lang Gastarbeiter in Innsbruck war. Die Tatsache, dass ich zum Leiter in Innsbruck ernannt wurde, ist nicht darauf zurück zu führen, dass ich so gut war, sondern darauf, dass ich der Einzige war – das hat damals keinen interessiert (schmunzelnd).
 

Sie haben zahlreiche Erstbegehungen gemacht, standen auf unzähligen Bergen auf allen Kontinenten und sogar auf drei Siebentausendern. Wie würden Sie das Klima unserer Alpen mit jenem in Patagonien oder im Himalaya vergleichen bzw. was sind die prägnantesten Unterschiede?
Karl Gabl: Nun wird es komplex: In den Alpen befinden wir uns in der Westwindzone, in Abständen von 2-4 Tagen ziehen Störungen durch, in der Tropik gibt es keine großen Temperatur-Jahresschwankungen. Patagonien hingegen ist bekannt für schnelle Wetterveränderungen – in diesen Regionen werden die höchsten Windgeschwindigkeiten gemessen. Die Unterschiede sind auf die Breitengrade zurückzuführen – die Westwindzone ist auf der Südhalbkugel deutlich stärker ausgeprägt als auf der Nordhalbkugel, da dort kaum Landmassen und Gebirge die westlichen Winde bremsen oder ablenken können.

Bergkameraden und Prominente aus aller Welt vertrauen auf ihre Prognosen. Bei ihrer Buchpräsentation in ihrer Heimatgemeinde haben Sie von sich selbst gesagt, dass sich vermutlich jener Meteorologe sind, der die meisten Fehlprognosen erstellt hat. Warum das? Und können Sie uns Anekdoten aus ihrem Berufsleben erzählen?
Karl Gabl: Vermutlich deswegen, weil ich so viel „Dienst“ gemacht habe. Früher waren wir oft alleine oder zu zweit, mittlerweile gibt es ja mehrere Meteorologen. Und, ich kann nach wie vor von mir behaupten, dass ich vermutlich der Einzige bin, der eine Prognose vier Jahre im Vorfeld gemacht hat: Eines Tages bekam ich einen Anruf einer Schützenkompanie, diese planten vier Jahre im Voraus ein Schützenfest und nur zwei Wochenenden standen zur Auswahl. Daraufhin habe ich Statistiken der vergangenen 20 Jahre ausgewertet, diese haben tatsächlich ergeben, dass es an einem Wochenende zu zwei Dritteln geregnet hat, beim anderen nur zu 48-50 %. Dieses wurde dann auch ausgewählt – und es hat auch tatsächlich gepasst (schmunzelnd). Und noch eine weitere Anekdote kann ich erzählen: So habe ich mit Gerlinde Kaltenbrunner die wohl höchste „Gehaltsverhandlung“ getätigt, auf einer Seehöhe von 8.000 Metern. Ich habe Prognosen stets ehrenamtlich getätigt, als Gerlinde auf dem Retourweg einer Expedition war, habe ich entdeckt, dass auf dem Foto keine einzige Gesichtsfalte zu erkennen ist. Daraufhin habe ich angemerkt, dass sie mir ihre Gesichtscreme leihen muss (lachend).

„Ich habe die Wolken von oben und von unten gesehen“ ist der Titel ihrer Autobiografie – warum haben Sie diesen Titel gewählt?
Karl Gabl: Den Titel hat meine Frau Stephanie Geiger ausgewählt. Ebenso hat sie redigiert und das Titelbild gemacht – dies zeigt mich nach einer Expedition auf einen 6.000er, nachdem ich sichtlich geschlaucht war (schmunzelnd).